top of page

Heute war ich auch nur ein Mensch – und das Hotel mittendrin

vor 5 Stunden
4 Min. Lesezeit

Heute war so ein Tag




Heute war so ein Tag....Einer von denen, bei denen man morgens aufsteht und kurz überlegt, ob man nicht einfach wieder ins Bett gehen und dem Leben eine automatische Antwort schicken sollte:

„Vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich bin heute leider nicht verfügbar. Bitte versuchen Sie es morgen erneut.“

Aber gut. Aufstehen. Kaffee. Anziehen. Los.

Und dann steht man im Hotel. Bereit für einen neuen Tag. Also zumindest körperlich.

Der Kopf braucht meistens noch zwei Kaffee.

Im Hotel lernt man übrigens sehr schnell, dass ein Arbeitstag niemals so beginnt, wie er enden wird.

Man kommt morgens rein und denkt:

„Heute wird es ruhig.“

Das ist ungefähr der Moment, in dem das Universum anfängt zu lachen.


Die erste "Übergabenkippe" mit der Busenfreundin und spätestens dann weiß man....es geht gleich rund...

Man hat dann kaum auf die Taste für den ersten Kaffee gedrückt, kommt irgendwo die erste Frage.

„Kannst du mir kurz helfen?“

Natürlich.

„Kurz“ ist im Hotel allerdings keine Zeitangabe.

„Kurz“ kann bedeuten, dass jemand nur eine Tasse braucht.

Obwohl er direkt davor steht.

„Kurz“ kann aber auch bedeuten, dass man plötzlich drei Telefonate gleichzeitig führt, ein Zimmerproblem lösen muss, jemand eine Toilettenspülung erklärt haben möchte und nebenbei noch versucht, herauszufinden, warum das System ausgerechnet heute beschlossen hat, persönliche Grenzen zu setzen.

Und dann sind da unsere Gäste.

Ich mag Gäste wirklich.

Wirklich.

Aber manchmal sind sie schon faszinierend.

Da kommt jemand nach einer langen Anreise an, schaut einen an, atmet einmal tief durch und sagt:

„Ich hätte da nur eine kleine Bitte..."

Man weiß in diesem Moment noch nicht, ob man gleich ein zusätzliches Kissen holen darf oder ob das komplette Hotelgebäude umgebaut werden soll.

Und natürlich möchte jeder Gast etwas anderes.

Der eine möchte absolute Ruhe.

Der andere möchte ein Zimmer mit Aussicht.

Der nächste möchte bitte möglichst weit weg vom Aufzug.

Und der nächste möchte möglichst nah dran, weil er nicht so weit laufen möchte.

Dann gibt es den Gast, der morgens um 6:59 Uhr fragt, ob er schon Service bekommen kann.

Diese 60 Sekunden fühlen sich für beide Seiten erstaunlich lang an.

Aber genau das ist Hotel.

Menschen treffen auf Menschen.

Mit Koffern.

Mit Erwartungen.

Mit Müdigkeit.

Mit Hunger.

Mit manchmal erstaunlich detaillierten Vorstellungen davon, wie ihr perfekter Aufenthalt auszusehen hat.

Und mittendrin wir.

Die Mitarbeiter.

Auch eine ganz besondere Spezies.

Wir können an einem einzigen Tag Dinge sagen wie:

„Natürlich, sehr gerne.“

„Kein Problem.“

„Das bekommen wir hin.“

„Ich kümmere mich darum.“

Und innerlich gleichzeitig denken:

„Ich habe keine Ahnung, wie wir das jetzt hinbekommen.“

Aber wir bekommen es immer hin.

Irgendwie.

Das ist wahrscheinlich diese besondere Mischung aus Erfahrung, Improvisation und einem leicht ausgeprägten Hang zum Wahnsinn.

Und natürlich gibt es auch die Kollegen.

Manchmal braucht man gar keine Worte.

Ein Blick reicht.

Ein kurzes Augenrollen.

Ein kleines Grinsen.

Und beide wissen:

Wir haben heute schon genug erlebt.

Es sind diese kleinen Momente, die einen Arbeitstag am Ende doch irgendwie schön machen.

Wenn man gemeinsam über eine Situation lacht, die fünf Minuten vorher noch überhaupt nicht lustig war.

Wenn ein Kollege einspringt, obwohl er selbst gerade bis zum Hals in Arbeit steckt.

Wenn ein Gast sich am Ende doch noch bedankt und man merkt, dass sich der ganze Aufwand gelohnt hat.

Und manchmal reicht auch einfach der Satz:

„Komm, wir machen das jetzt zusammen.“

Vielleicht ist das überhaupt das Wichtigste.

Denn hinter jeder Uniform steckt ein Mensch.

Hinter jedem Gast steckt ein Mensch.

Und hinter jedem „Ich brauche das aber sofort“ steckt manchmal auch einfach jemand, der einen schlechten Tag hat.

Genauso wie hinter unserem freundlichen Lächeln manchmal jemand steckt, der selbst gerade nicht weiß, wo ihm der Kopf steht.

Wir vergessen das im Alltag ziemlich schnell.

Wir erwarten Freundlichkeit, Geduld und Verständnis – und vergessen dabei gerne, dass der Mensch gegenüber nicht automatisch einen guten Tag haben muss.

Vielleicht sollten wir alle wieder ein bisschen öfter „Danke“ sagen.

Nicht aus Höflichkeit.

Sondern weil wir es wirklich meinen.

Vielleicht sollten wir ein bisschen geduldiger sein.

Nicht immer.

Wir sind schließlich auch nur Menschen.

Aber manchmal.

Denn keiner weiß, was der andere gerade mit sich herumträgt.

Der Gast nicht, was der Mitarbeiter hinter sich hat.

Der Mitarbeiter nicht, was der Gast gerade durchmacht.

Und so stehen wir da.

Zwischen Koffern, Telefonen, Zimmerkarten, Beschwerden, Lächeln, Kaffee und kleinen Katastrophen.

Und versuchen, unseren Job gut zu machen.

Manchmal klappt es hervorragend.

Manchmal eher nach dem Prinzip:

„Hauptsache, es sieht von außen professionell aus.“

Auch das ist eine Kunst.

Und irgendwann ist Feierabend.

Man geht nach Hause und denkt:

„Was war das heute eigentlich?“

Man weiß es nicht genau.

Aber man weiß:

Man hat gelacht.

Man hat sich geärgert.

Man hat geholfen.

Man hat vielleicht jemanden glücklich gemacht.

Man hat wahrscheinlich zu viel Kaffee getrunken.

Und man hat den Tag irgendwie geschafft.

Vielleicht muss ein Tag auch gar nicht immer großartig sein.

Vielleicht reicht es, wenn er ein paar gute Momente hatte.

Ein Lachen.

Ein nettes Gespräch.

Ein „Danke“.

Ein Kollege, der einem den Rücken freihält.

Ein Gast, der am Ende zufrieden abreist.

Und vielleicht sogar der kleine Moment, in dem man selbst kurz denkt:

Ja. Genau dafür mache ich das eigentlich.

Nicht für die perfekten Tage.

Die gibt es sowieso nicht.

Sondern für die Menschen.

Für die Geschichten.

Für das Chaos.

Für die kleinen Erfolge.

Und für die Momente, über die man später lachen kann.

Denn seien wir ehrlich:

Wenn im Hotel immer alles funktionieren würde, jeder Gast zufrieden wäre und niemand fünf Minuten vor Feierabend noch eine „ganz kleine Sache“ hätte …

Dann wäre es vermutlich kein Hotel mehr.

Dann wäre es ein Wunder.

Und Wunder sind bekanntlich schwer zu organisieren.

Also machen wir morgen weiter.

Mit Kaffee.

Mit Humor.

Mit ein bisschen Augenrollen.

Mit viel Improvisation.

Und hoffentlich mit der Erkenntnis, dass wir alle nur Menschen sind.

Die einen mit Koffer.

Die anderen mit Schlüsselkarte.

Aber am Ende sitzen wir alle im selben Boot.

Und manchmal wäre es schon schön, wenn wir uns das gegenseitig ein bisschen leichter machen.

So.

Und jetzt entschuldigt mich bitte.

Ich habe Feierabend.

Zumindest theoretisch.

Denn irgendwo wartet bestimmt schon jemand mit der Frage:

„Entschuldigung, hätten Sie ganz kurz …?“

 
 
 

Kommentare


bottom of page