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Weltmädchentag: Kleine Mädchen, große Klappe – und eine Welt, die manchmal noch Nachhilfe in Gleichberechtigung braucht 💜

vor 15 Stunden
7 Min. Lesezeit

Warum Mädchen alles sein dürfen sollten: laut, leise, wild, klug, chaotisch, mutig – und vor allem genau so, wie sie sein wollen.


Am 11. Oktober ist Internationaler Tag des Mädchens. Ein Tag, an dem wir Mädchen feiern, ihre Rechte in den Mittelpunkt stellen und daran erinnern, dass jedes Mädchen die Chance verdient, seinen eigenen Weg zu gehen.

Und bevor jetzt jemand fragt, ob es dafür wirklich einen eigenen Tag braucht: Ja, braucht es. Leider.

Denn offenbar haben wir im Jahr 2026 zwar selbstfahrende Autos, künstliche Intelligenz und Kühlschränke, die uns sagen, wenn die Milch leer ist, aber bei der Gleichberechtigung ist die Menschheit manchmal noch auf dem Stand eines Internetrouters aus dem Jahr 2004. Es blinkt, es gibt gelegentlich Verbindung, aber zuverlässig funktioniert es nicht immer. 🙃

Dabei sollte die Sache eigentlich ganz einfach sein: Mädchen sind Menschen. Mit Ideen, Träumen, Meinungen, Talenten und einer eigenen Persönlichkeit. Sie brauchen keine Erlaubnis, um groß zu träumen. Und schon gar keine Gebrauchsanweisung dafür, wie ein Mädchen sich angeblich zu benehmen hat.

Mädchen sollen alles können – aber bitte nicht zu laut darüber reden?

Schon als Mädchen bekommt man manchmal erstaunlich viele Botschaften mit auf den Weg.

Sei selbstbewusst, aber nicht eingebildet.

Sei freundlich, aber lass dir nichts gefallen.

Sei hübsch, aber bitte nicht oberflächlich.

Sei ehrgeizig, aber übertreib es nicht.

Sag deine Meinung, aber sei nicht so frech.

Entschuldigung, gibt es dazu irgendwo ein Regelbuch? Und wenn ja: Wer hat es geschrieben, und warum ist es so widersprüchlich?

Wenn ein Mädchen weiß, was es will, gilt es schnell als schwierig. Wenn es sich durchsetzt, ist es angeblich zickig. Wenn es ruhig bleibt, soll es sich mehr zutrauen. Und wenn es sich etwas zutraut, soll es plötzlich nicht so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Manchmal hat man das Gefühl, Mädchen müssten eine olympische Disziplin beherrschen: es allen recht machen, ohne dabei zu sehr aufzufallen.

Die gute Nachricht: Wir dürfen diese Disziplin abmelden.

Ein Mädchen darf laut lachen. Es darf widersprechen. Es darf Fragen stellen, Fehler machen und seine Meinung ändern. Es darf sich für Fußball interessieren oder für Ballett, für Technik oder für Kunst, für Glitzer oder für gar keinen Glitzer.

Und wenn es lieber Dinosaurier sammelt, als sich Gedanken über die neueste Nagellackfarbe zu machen, ist das genauso in Ordnung.

Die Persönlichkeit eines Mädchens ist schließlich kein Bastelprojekt, bei dem die Gesellschaft ständig noch ein bisschen herumkleben muss.


🎀 Rosa ist eine Farbe. Keine berufliche Zukunftsplanung 🎀

Warum wird eigentlich manchmal so früh entschieden, was zu Mädchen und was zu Jungen passen soll?

Rosa für die Mädchen, Blau für die Jungen. Puppen für die einen, Werkzeug für die anderen. Und wehe, jemand hält sich nicht an die vermeintliche Ordnung!

Natürlich darf ein Mädchen Rosa lieben. Es darf Puppen sammeln, Prinzessinnenschlösser bauen und sich wünschen, einmal ein Kleid zu tragen, das mehr Glitzer hat als eine Weihnachtsdekoration.

Es darf aber genauso gut in der Werkstatt stehen, programmieren, Fußball spielen oder Raketen bauen wollen.

Die Farbe eines T-Shirts sagt schließlich wenig darüber aus, ob jemand später eine großartige Ingenieurin, Ärztin, Künstlerin, Handwerkerin oder Unternehmerin wird.

Und vielleicht sollten wir generell aufhören, Kindern ständig zu erklären, was sie angeblich gut können müssten, nur weil sie Mädchen oder Jungen sind.

Wie wäre es stattdessen mit einer ganz revolutionären Idee?

Wir fragen Kinder einfach, was sie interessiert.

Verrückt, ich weiß.


Klug sein ist toll. Sich kleinmachen müssen nicht.

Ein Mädchen, das gute Noten schreibt, soll sich nicht so anstellen. Eines, das eine schwierige Frage stellt, soll nicht so vorlaut sein. Und eines, das eine klare Meinung hat, muss sich manchmal anhören, es solle sich nicht so wichtig nehmen.

Dabei brauchen wir Mädchen, die neugierig bleiben, die Dinge hinterfragen und die sich trauen, ihre Ideen auszusprechen.

Wir brauchen Mädchen, die in einem Klassenzimmer die Hand heben, auch wenn sie nicht hundertprozentig sicher sind.

Mädchen, die sagen: „Ich verstehe das noch nicht, aber ich möchte es lernen.“

Mädchen, die sich auf eine Stelle bewerben, obwohl sie nicht jedes einzelne Kriterium erfüllen.

Mädchen, die sich nicht von einem einzigen blöden Kommentar einreden lassen, dass sie etwas nicht schaffen können.

Und ja, wir brauchen auch Mädchen, die Fehler machen. Denn niemand wird selbstbewusst, indem er ständig alles richtig macht. Selbstvertrauen entsteht auch dadurch, dass man etwas ausprobiert, scheitert, daraus lernt und es noch einmal versucht.

Niemand muss mit zwölf Jahren schon wissen, was er mit seinem Leben anfangen möchte. Manche Erwachsene (wie ich) wissen es schließlich mit 42 noch nicht – und improvisieren dabei erstaunlich überzeugend.


🌍 Während wir diskutieren, kämpfen andere Mädchen um viel grundlegendere Rechte

Jetzt wird es ernst. Denn so lustig manche Alltagssituationen auch sind: Nicht jedes Mädchen auf dieser Welt hat die gleichen Möglichkeiten.

Während manche Mädchen darüber nachdenken, welche Ausbildung sie machen möchten, dürfen andere nicht einmal eine weiterführende Schule besuchen.

Während wir uns über Schulstress, schlechte Noten oder eine anstrengende Gruppenarbeit ärgern, müssen andere Mädchen um den Zugang zu Bildung, Schutz und Selbstbestimmung kämpfen.

Laut UNICEF werden weltweit schätzungsweise rund 650 Millionen Frauen und Mädchen zu denjenigen gezählt, die vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet wurden. Kinderehen können Bildungschancen einschränken, die Gesundheit gefährden und Mädchen ihrer Möglichkeit berauben, selbst über ihre Zukunft zu entscheiden.

Das ist keine Kleinigkeit. Und es ist auch kein Thema, das wir mit einem hübschen Hashtag und einem lila Herzchen erledigen können.

Der Internationale Tag des Mädchens erinnert uns daran, dass Rechte nicht nur auf dem Papier stehen dürfen. Sie müssen im Alltag gelten – in Schulen, in Familien, in Gemeinschaften und überall dort, wo Entscheidungen über das Leben von Mädchen getroffen werden.

Jedes Mädchen verdient die Möglichkeit, zu lernen, sich zu entwickeln, sicher aufzuwachsen und eigene Entscheidungen über seine Zukunft zu treffen.

Nicht irgendwann.

Nicht nur dann, wenn es in die Erwartungen anderer passt.

Sondern von Anfang an.


Selbstbewusstsein beginnt oft mit einem einzigen Satz

„Das kannst du nicht.“

Manchmal sind es nur vier Worte. Aber sie können lange im Kopf bleiben.

Vielleicht hat ein Mädchen einmal gehört, dass Mathematik nichts für Mädchen sei. Vielleicht wurde ihm gesagt, es sei zu empfindlich, zu laut, zu verträumt oder nicht gut genug.

Vielleicht hat es gelernt, sich lieber nicht zu melden, um keinen Fehler zu machen. Oder es hat seine Träume kleiner gemacht, weil andere Menschen sie für unrealistisch hielten.

Deshalb sind Vorbilder so wichtig.

Menschen, die Mädchen zeigen: Du musst nicht perfekt sein, um etwas zu erreichen. Du musst nicht alles können, um anfangen zu dürfen. Und du musst dich nicht kleiner machen, damit andere sich größer fühlen.

Manchmal beginnt Veränderung damit, dass jemand sagt: „Probier es aus. Ich glaube, du schaffst das.“

Und manchmal beginnt sie damit, dass ein Mädchen irgendwann selbst sagt: „Ich kann das schon alleine! Ich bin groß!!!"

Dieser Satz dürfte gerne öfter fallen. Mit einem freundlichen Lächeln versteht sich. Oder mit einer hochgezogenen Augenbraue, wenn die Situation es verlangt.


Was wir Mädchen wirklich mitgeben sollten

Wir müssen Mädchen nicht beibringen, perfekt zu sein.

Wir sollten ihnen beibringen, dass sie nicht perfekt sein müssen.

Wir sollten ihnen zeigen, dass Freundlichkeit keine Schwäche ist, aber Grenzen wichtig sind. Dass sie anderen zuhören dürfen, ohne ihre eigene Stimme zu verlieren. Dass sie sich Hilfe holen dürfen, ohne sich dafür zu schämen.

Wir sollten ihnen vermitteln, dass ihr Wert nicht davon abhängt, wie sie aussehen, wie viele Menschen sie mögen oder wie erfolgreich sie auf andere wirken.

Und wir sollten ihnen vor allem eines mitgeben: Sie müssen nicht erst jemand anderes werden, um wertvoll zu sein.

Ein Mädchen darf schüchtern sein und trotzdem mutig. Es darf selbstbewusst sein und trotzdem Zweifel haben. Es darf einen Plan verfolgen und ihn später ändern. Es darf sich ausprobieren, sich irren, neu anfangen und seinen eigenen Rhythmus finden.

Das gilt übrigens nicht nur für Mädchen. Jedes Kind verdient diese Freiheit.

Aber solange Mädchen weltweit mit besonderen Benachteiligungen konfrontiert sind, müssen wir diese auch ausdrücklich benennen.

Gleichberechtigung bedeutet nicht, dass alle Menschen gleich sein müssen. Sie bedeutet, dass Unterschiede nicht darüber entscheiden dürfen, wer welche Chancen bekommt.


🥳 Heute feiern wir Mädchen. Morgen unterstützen wir sie weiter.

Der Internationale Tag des Mädchens ist ein guter Anlass, Mädchen zu feiern. Ihre Kreativität, ihre Neugier, ihren Humor, ihre Stärke und ihre Fähigkeit, Dinge zu hinterfragen, die andere einfach hinnehmen.

Aber bitte nicht nur an einem einzigen Tag im Jahr.

Denn Gleichberechtigung ist kein saisonales Angebot, das am 12. Oktober wieder aus dem Sortiment genommen wird.

Sie beginnt damit, wie wir miteinander sprechen. Wie wir Kinder erziehen. Welche Chancen wir eröffnen. Welche Vorbilder wir zeigen. Und ob wir bereit sind, zuzuhören, wenn Mädchen sagen, was sie brauchen.

Vielleicht sollten wir uns alle gelegentlich fragen: Würde ich einem Jungen für dasselbe Verhalten die gleichen Worte sagen wie einem Mädchen? Würde ich ihm denselben Freiraum geben? Würde ich denselben Traum unterstützen?

Wenn die Antwort unterschiedlich ausfällt, lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Denn Mädchen brauchen keine Welt, in der sie ständig hören, wie stark sie sein müssen, um Hindernisse zu überwinden.

Sie brauchen auch eine Welt, in der ihnen weniger Hindernisse in den Weg gelegt werden.

Und sie brauchen Menschen, die nicht nur sagen, dass Mädchen alles erreichen können, sondern auch dafür sorgen, dass sie die Möglichkeit dazu bekommen.


Und jetzt mal ehrlich: Wie sieht es bei uns aus?

Zum Schluss möchte ich euch eine Frage mitgeben.

Was hättet ihr als Mädchen gerne früher gehört?

Vielleicht: „Du darfst Nein sagen.“

Vielleicht: „Du musst es nicht allen recht machen.“

Oder: „Du bist nicht zu laut. Du hast etwas zu sagen.“

Vielleicht habt ihr selbst eine Tochter, eine Schwester, eine Nichte oder eine Freundin, der ihr genau das gerne mitgeben möchtet. Schreibt es gerne in die Kommentare. Lasst uns Sätze sammeln, die Mädchen stärken, statt sie kleinzumachen. Denn manchmal kann ein einziger Satz mehr bewirken, als wir denken.


Und an alle Mädchen da draußen: Seid neugierig. Seid mutig. Seid albern, wenn euch danach ist. Seid ehrgeizig, wenn ihr etwas erreichen wollt. Seid laut, wenn ihr etwas zu sagen habt, und leise, wenn ihr Ruhe braucht.

Ihr müsst nicht in jede Schublade passen.

Manche Schubladen sind ohnehin viel zu klein. 💜


Alles Gute zum Internationalen Tag des Mädchens – am 11. Oktober und an jedem anderen Tag, an dem Mädchen die Welt ein bisschen mehr zu ihrer eigenen machen.

 
 
 

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